Dies ist mein erster Fotobeitrag seit Beginn des Kriegsausbruches in der Ukraine.
Ich habe lange Zeit keine Kamera mehr in die Hand genommen, weil es mir mein Gewissen nicht zuliess. Bis ich mich dazu entschloss, Menschen aus der Ukraine zu fotografieren - Menschen die gezwungen wurden ihre Heimat fluchtartig zu verlassen.
Vergangenen Dienstag fand der Müttermarsch in Zürich statt und ich wurde angefragt, eine Fotoreportage darüber zu erstellen. Das Wetter war an diesem Tag schlecht - es regnete und war kühl. Es sind deshalb leider nicht sehr viele Leute gekommen. Wir sind gemeinsam durch die Strassen von Zürich gelaufen.
Ich habe Menschen fotografiert - Menschen die alles hatten und alles verloren haben - und dies nur deshalb, weil eines Tages jemand beschloss, ihnen alles zu nehmen und ihre Heimat zu zerstören und ihr Leben auszulöschen.
Ich habe Fotos gemacht und kaum mit jemandem gesprochen. Ich beobachte alles nur durch das Objektiv meiner Kamera. Als wir am Ende unserer Route ankamen, bemerkte ich ein kleines Mädchen, welches in den Armen ihrer Mutter weinte.
Ich ging zu ihr und fragte Mutter: „Warum sie weine?“, ihre Antwort war: „Sie will zu ihrem Papi!“
Ich musste mich beherrschen, um nicht in diesem Moment ebenfalls in Tränen auszubrechen. Ein kleines Mädchen, das zu Hause alles hatte - Mutter, Vater, ihr kuscheliges Bett, ihre Spielsachen und einfach ihre glückliche Welt!
Und dann, am 24. Februar stürzte alles wie ein Kartenhaus zusammen. Hundertausenden kleinen Kindern erging es genau gleich wie dem Mädchen. Wie viele Familien wurden gezwungen, mit nur einem Rucksack vor dem schrecklichen Krieg zu fliehen und wie viele Familien leben noch immer in dieser Hölle in täglicher Todesangst!
Das Mädchen heisst Eva und ich hoffe so sehr, dass sie bald ihren Vater wieder in die Arme schliessen kann, denn das waren meine Worte, als ich versuchte sie zu beruhigen.
Ein Leben ohne Krieg in meiner geliebten Heimat! Friede sei mit uns allen!
2 Juni 2022
💙💛