Der heutige Text ist der schwierigste von allen Texten, die ich bisher geschrieben habe…
Diese Bilder wurden beim Marsch der Mütter in Zürich aufgenommen.Wenn ich viele Menschen fotografiere, spreche ich normalerweise nie mit jemandem, ich beobachte den Prozess nur durch das Objektiv meiner Kamera und versuche die Emotionen einzufangen. Es waren viele Leute da, ich weiss nicht warum ich ausgerechnet mit diesen Frauen gesprochen habe. Manchmal bringt uns das Leben mit unbekannten fremden Menschen zusammen, als wäre es Bestimmung. Wir unterhielten uns kurz und sie sagten zu mir, sie kämen aus der Ukraine und seien extra für diesen Marsch aus Genf angereist, da sie es für ihre Pflicht hielten, an allen Veranstaltungen teilzunehmen, die aus Protest gegen den Krieg in der Ukraine stattfanden.
Wir gingen weiter, ich lief ein wenig voraus, um Fotos zu machen.Wir hielten alle auf dem Platz an, auf dem gerade eine kleine Kundgebung stattfand.Natasha-so der Name einer der Frauen-kam auf mich zu und bat mich darum, ein Foto von den beiden zusammen aufzunehmen.
Was sie danach sagte, treibt mir immer noch einen Schauer über den Rücken:"Wir waren Gefangene!“ Wenn ich diesen Satz schreibe, steigen mir die Tränen in die Augen.
Und diesen Satz höre ich im Jahr 2022!
Wie ist das möglich?
Das ist kein Film, das ist die brutale Realität, eine schreckliche Realität, die in der Ukraine passiert! Ich konnte ihr nichts darauf antworten, wir umarmten uns einfach und ich sagte natürlich ja und machte das Foto, das nun als erstes über diesem Beitrag steht.Ich versteckte mein Gesicht hinter meiner Kamera, sonst wäre ich in Tränen ausgebrochen.Ich kann mir nicht einmal vorstellen, was sie dort durchgemacht haben! Das Wichtigste ist, dass sie jetzt in Sicherheit sind und langsam wieder zur Ruhe kommen.Sie haben den Mut, das alles zu erzählen.Die Wahrheit über das Grauen das sich abspielt, über die Menschen die überlebt haben und über diejenigen, die ihr Leben lassen mussten -das sollte jeder wissen! Sie wollten dieses Foto für den Artikel über sie.
Ich bin sehr dankbar, dass ich sie kennenlernen durfte und ich wünsche uns allen ein schnelles Ende dieses Albtraums, damit wir uns beim Betrachten dieser Fotos nur daran erinnern können, was diese Menschen durchgemacht haben und wie stark und mutig sie sind und waren!
16 Juni, 2022
💙💛